Schreibfrühzeit: Phantastik-Geschichten meines jüngeren Ichs

Eine Zeit lang befürchtete ich, dass meine Schreiblosigkeit auf eine Abneigung hindeutet, auf eine indirekte Abneigung gegen das Geschichtenschreiben.

Was noch Ausdruck durch meine Tasten malträtierenden Fingerkuppen erfahren hatte, beschränkte sich seit einer Weile auf berufsbedingte Texte, neben den alljährlichen Liebesbriefen, Traumtagebucheinträgen, Geburtstags- und Weihnachtskarten. Zudem hatte ich fast genauso lange kein Buch mehr in der Hand gehabt – jetzt, da ich nur noch selten Bus fahre und abends nicht mehr allein ins Bett schlüpfe.

Doch ich hatte mich geirrt: Das ungelesene Buch, das schon zwei Tage später mit Leseknicken im Regal landete, zeigte mir, dass ich es immer noch liebe zu lesen. Meine Eile zum nächstbesten Notizzettel zeigte mir, dass ich nach wie vor inspiriert und interessiert bin, Geschichten zu schreiben.

Doch daran scheint eine Bedingung geknüpft zu sein: loszulassen.

Beim Loslassen geht es wohl nicht nur darum, etwas Altem oder Vergangenem zu entsagen. Es bedeutet auch, nicht länger an dem festzuhalten, was noch gar nicht erst geschehen ist. Insbesondere an solchem, über das jahrelang nur geredet wird.

Für mich bedeutet das konkret, dass ich meine Novelle von 2019 nicht wie geplant beenden werde. Dass ich meine Kurzgeschichte von 2018 nicht überarbeiten werde. Und dass ich mir ganz bestimmt nicht den Kopf über eine Idee zerbrechen werde, die nie meine eigene gewesen ist.

Ich finde, es ist Zeit, etwas Neues zu schreiben.

Etwas, das mich jetzt interessiert, angeht und berührt. Ohnehin besteht nur dann die Chance, dass es auch Dich interessiert, angeht und berührt.

Doch so einfach übergehen will ich das bisher Geschaffene nicht. Vorher will ich noch einen mehr oder weniger kurzen Blick riskieren. Neugierig begebe ich mich daher auf Geschichtensuche aus der Hand meines jüngeren Ichs (darauf hoffend, dass die Schamesröte ausbleibt).

Dabei beginne ich ganz von vorne, und zwar bei meinem allerersten Versuch, ein Buch zu schreiben.

Phantastik-Roman ohne Titel

In den abgeschlossenen 11 Kapiteln mit jeweils 2 bis 3 Seiten erwacht Lucie aus unbekannten Gründen in einer unbekannten Gasse. Es fehlen ihr jegliche Erinnerungen. Stattdessen entdeckt sie an sich Fähigkeiten, die ein Mensch eigentlich nicht haben sollte. Neugierig versucht sie sich an ihnen, während sie ihre Umgebung erkundet. Dabei trifft sie auf Cedric, zu dem sie sich sofort hingezogen fühlt – wie auch schon vor ihrem Gedächtnisverlust und scheinbaren Tod. Doch bevor die beiden hinter ihre mysteriösen Umstände blicken können, wird Lucie entführt – von Forschern, deren Genexperiment an Monstern der vampirischen Sorte augenscheinlich Erfolg gehabt hatte.

Die Geschichte veröffentlichte ich in 2011 neben etlichen Gedichten ebenso pubertärer Herkunft kapitelweise auf meiner persönlichen Website, womit sie größtenteils (und damit glücklicherweise) unbekannt blieb. Zu einer Zeit, in der ich offensichtlich ein Faible für Vampir- und Zombiegeschichten hatte.

Mein schwindendes Interesse an beidem war jedoch nicht der Grund für meinen abrupten Abbruch der Geschichte. Vielmehr fehlte mir eine Richtung für die Geschichte, ein Ziel und eine Herausforderung, überhaupt das gesamte Handlungsgerüst. Jetzt würde ich zudem hinzufügen: Realitätsnähe und Spannung.

Das Erstaunlichste an der Geschichte ist bei Weitem, wie wenig Aufmerksamkeit der gebissenen Leiche im ersten Kapitel geschenkt wird. Sobald Lucie ihr Spiegelbild erblickt, ist sie schnell vergessen; die gesetzten Hinweise bleiben unregistriert. Noch in derselben Gasse merken die randalierenden Kids nichts von ihr und selbst als die Protagonistin zurück „in die Richtung läuft, aus der sie gekommen war“, erfahren wir nichts über den Verbleib der Leiche.

Insbesondere den Ausdruck von Gefühlen, Gedanken und Personeneindrücken empfinde ich im Nachhinein als naiv und unreif. Mit „naiv“ meine ich jedoch nicht nur die vorhersehbare Wortwahl eines Teenagers aus einem damals noch begrenzten Lektürerepertoire, sondern auch die Handlungstiefe. Behandelt hatte ich lediglich die Oberfläche der Geschichte, ohne den Stoff gleichzeitig für zukünftige Ereignisse und deren Zusammenhänge zu berücksichtigen.

Dabei kommen durchaus atmosphärische Beschreibungen der Umgebung zum Vorschein, die sich aufbauend flüssig lesen.

In meinen Wachträumen tanzten die Bilder des vergangenen Tages und die Fragen, die sich hinter jedem einzelnen Ereignis verbargen. Sie waren bruchstückhaft und leicht verschwommen, doch das änderte nichts an meiner wachsenden Unruhe. […]

Als [Cedric] die Eingangstür zur Wohnung aufschloss, bemerkte ich eine Bewegung im Dunkeln hinter zwei Bäumen. Ich sah genauer hin und trotz meiner geschärften Sinne konnte ich nichts erkennen. Mir lief ein Schauer über den Rücken. Wir sind nicht allein. […]

Ich zitterte am ganzen Leib. Da hörte ich ein Fenster hinter mir klappern: Mit einem Ruck drehte ich mich um und im nächsten Moment traf mich ein harter Schlag auf den Solarplexus. Ich wurde mit voller Wucht gegen die nächstgelegene Hauswand geschleudert. Größere Stücke der Wand splitterten unter meinem Aufprall ab. Ich stöhnte und hielt mir die wunde Stelle. Als ich aufschaute, blickte ich in das Gesicht einer Frau. Sie hatte tiefschwarze Haare, die ihr bis zu den Hüften reichten. Sie war wunderschön […] und zeigte [mir] ihre spitzen Fangzähne.

Ebenso lesen sich jene Stellen flüssig, deren Inhalt ich schon damals gut kannte und visualisieren konnte; wie eine Küche zu räumen ist zum Beispiel, was wiederum die Chemie zwischen den beiden Hauptfiguren unterstützt.

Da es noch sehr früh war, schlich ich auf Zehenspitzen, um meinen Gastgeber nicht zu wecken, in die Küche. Es war fast ein Schock. Dreckiges Geschirr und Müll stapelten sich auf der Anrichte. Na gut. Ich hatte eh nichts Besseres zu tun. Ich drehte mich um und da war sie: die Spülmaschine. Ich vergewisserte mich, dass sie funktionstüchtig war, kratzte Essensreste und andere Überbleibsel vom Geschirr und platzierte dieses in der Spülmaschine. Ich schmiss sie an und machte mich daran, den Müll zu entsorgen. Schließlich putzte ich Spülbecken und Anrichte sauber und betrachtete stolz mein Werk. […]

„Du hast geputzt?! […] Du bist mein Gast und nicht meine Putze!“

„Willst du, dass ich Stundenlohn fordere?“ […]

„Stooop! […] Halte dich von dem Ding da fern!“, er zeigte auf die Spülmaschine.

Ja ja, der frühe Morgen. Ich lächelte ich mich hinein und sobald er die Tür hinter sich [geschlossen hatte], grinste ich einmal böse und räumte die Spülmaschine aus.

Insgesamt bewegt sich die Geschichte jedoch zu schnell, sodass immer mal wieder Fremdschämen angesagt ist, obwohl ich nicht so weit gehen würde, die Szenarien als „cringy“ zu bezeichnen.

Ganz in das Bild vertieft, glitt meine Hand über mein Ohrläppchen[, an dem derselbe Ohrring hing]. Cedric bemerkte das und sah gleichzeitig total baff und entschlossen glücklich aus. Wahrscheinlich hatte er die gleichen Schlussfolgerungen gezogen. […] Vielleicht war es Zufall? Aber nein, er war kein Bekannter, nicht wahr? Er war viel mehr als das, ich konnte es spüren. Ich sah Cedric tief in die Augen und da schlang er auch schon seine Arme um mich. Ich ließ diesen Gefühlsausbruch zu, drückte mich an ihn und fing an zu schluchzen. Mein Cedric?

Beinahe hätte ich vergessen zu erwähnen, dass jedem Kapitel ein kreuzgereimter Vierzeiler voransteht. Mir gefällt die Idee auch jetzt noch, doch würde ich so dramatisch nicht mehr reimen wollen. Nur weil es sich reimt, ist es schließlich nicht gleich ein Gedicht. Wenn Du jemals Dein Abendessen als „Gedicht“ bezeichnet hast, weißt Du, was ich meine.

Alles in allem bin ich jedoch stolz, dass ich auch mit sechszehn Jahren schon zu solchen Sätzen fähig war:

Ich wollte zurückschrecken, meinen Kopf schütteln und hoffen, dass ich dadurch wieder den Weg zur Realität finden würde. Doch ich war wie aus Stein, eine Statue, die sich bewegen und zeigen wollte, dass sie lebt, und einsehen musste, dass dem nicht so war.

Letztendlich hat die meisten Korrekturrunden jedoch mein Prolog erhalten, der durchgehend atmosphärisch beschrieben ist und den Auftakt entsprechend abrundet, mit betont naiven Gefühlsregungen und den typischen Ungereimtheiten (die ich sicherheitshalber auslasse):

Nebelschwaden hingen tief in der Luft und ein leichter, aber dennoch eisiger Wind fegte über das Gelände. Der Junge zog seine Jacke enger und streifte den von wucherndem Grünzeug übersäten Pfad entlang. Er war kaum noch zu erkennen. Hoffentlich würde der Junge nicht vom Weg abkommen und sich verirren. Schließlich war er mit der Umgebung nicht vertraut. Hier war er ein Fremder.

Bald kam das hohe Eisentor in Sicht, das den Eingang zum Friedhof sicherte. Dahinter sah man bloß den dichten Nebel. Als er dort ankam, blieb er stehen und zögerte noch einen Moment. War es richtig, hier zu sein? Würde man ihn fortschicken? […] Endlich […] drückte [er] das Tor auf. […]

Als er die Prozession erreichte, vernahm er das leise Weinen und Winseln der Menschen, die sich um einen Sarg scharten. […] Beim Knacken der dünnen Äste unter seinen Füßen drehten sich ein paar der Personen zu ihm um. Doch sie schienen sich nicht sonderlich für ihn zu interessieren. […]

Nachdem die fürchterliche Stimme des Pastors endlich verklungen war, atmete der Junge auf und beobachtete, wie der Sarg langsam nach unten transportiert wurde. Nun wurden die Angehörigen aufgefordert, sich zu verabschieden und der Junge nahm sich, ohne auf den irritierten Blick der Mutter zu achten, eine der roten Rosen, warf sie dem Sarg hinterher und verlor eine Träne, die sich im Rosenstrauß verfing.

Bevor ihn jemand aufhalten konnte, wandte er sich um und entfernte sich von diesem Ort. Nun war es soweit, ein weiteres Kapitel seines Lebens abzuschließen und es hinter sich zu lassen. Für immer.

Sozusagen genau das, was ich mit diesem abgebrochenen Roman soeben getan habe.

Weiter im (phantastischen Kon-)Text

Trotz des Lebensernstes, der mich zu erwarten drohte, versuchte ich es zwei Jahre später wieder mit einem Roman; und zwar im Gedanken an ein Online-Spiel, das mich lange Zeit in seinen Bann gezogen hatte.

Diesmal hatte ich mich ausführlich mit dem Konzept des Buches beschäftigt. In ihm verbarg sich eine Kristallmagie-basierte Welt mit einer stolzen, widerspenstigen Heldin, deren erbitterte Kämpfe und dunkle Vergangenheit endlich Spannung versprachen. Derselbe Feind, neue Verbündete. Ein Psychothriller mit Idee zum Folgeband.

Trotz meiner beiden Ansätze hatte ich es jedoch kaum bis zum ersten Kapitel geschafft (geschweige denn zu dessen Nachbearbeitung), denn die vielen Hausarbeiten, Buchrezensionen und Begleittexte für ein spielerisches Nebenprojekt kamen mir dazwischen.

Als ich in 2016 dann zusätzlich einen Minijob als Texterin und Übersetzerin für ein Browserspiel annahm, hatte ich mich von dem Erzählstoff (und überhaupt von den Figuren) bereits entfremdet.

Eins führte zum anderen und so bleiben mir aus dieser Zeit hauptsächlich Ideenfragmente, die ich heute nur noch grob einzuordnen weiß. Natürlich ist somit auch deren Zauber längst verblasst, weshalb es mir leicht fiel, sie direkt auszusortieren.

Der einzige Text aus dieser Zeit, den ich für einen Handschriftenvergleich heranziehen kann, ist meine Kurzgeschichte „Rampulia“.

Kurzgeschichte „Rampulia“

Junghexe Rampulia hat von Althexe Gertha gehört, dass im alten Schloss zu Samhain eine unglaubliche Geisterparty stattfinden soll und will sich das an besagtem Abend aus nächster Nähe ansehen. Zuerst ist sie enttäuscht vom drögen Innenleben des Schlosses, insbesondere dann, als sie auf einen Geist trifft, der so gar nicht in Feierlaune zu sein scheint. Sie lauscht seiner Erzählung über seine missliche Lage und erinnert sich plötzlich, warum sie überhaupt hergekommen war. Mit dem vorbereiteten Zauber spiegelt sie die Beschaffenheit ihrer beider Körper: Während Kriembold, der Geist, einen Körper bekommt und endlich Wein trinken kann, schwebt Rampulia mit durchsichtiger Gestalt durch das Schloss, die Geisterparty nun in greifbarer Nähe.

Die Wortwahl lässt keinen Zweifel daran bestehen, dass zur Entstehungszeit dieser Geschichte meine Nase voller Neugierde in Büchern der Gattung „Esoterik“ steckte. Ich spreche schließlich von „Samhain“ anstatt von „Halloween“, zudem von Räucherungen und Kräutern.

Das versagte mir jedoch nicht die Chance, meinem jüngeren Ich hin und wieder zuzuschmunzeln. Ich mochte die Stelle, an der ein Ziegel in Biskus‘ Teich fällt und er den Spinnen eine Fliege vor der Nase wegschnappt. Oder jene, an der sich Rampulia dazu bekennt, gelegentlich Wein aus dem Keller ihrer Tanten zu mopsen.

Wieder wird viel gereimt, mehr als üblich, was zudem auf die Zeit während meines Minijobs hindeutet, in dem es grundsätzlich viel zu reimen gab. Doch ist es mir auch fast etwas peinlich, wie simpel sich die Reime im Grunde gestalten.

Obwohl Schwung in die Sätze kommt, fällt es mir schwer, auch nur einen Ausschnitt herauszupicken, den ich im Nachhinein nicht umschreiben würde.

[…] die Fenster stoßen auf, [der Wind] zerrt an den Vorhängen und lässt die Fensterläden klappern. Die Kerzen krümmen sich vor Schreck und erlöschen geduckt vor solch einem Umtreiben. […]

„Ein Gespenst!“, kreischt Rampulia und beim stürmischen Versuch, den Gastgeber zu umarmen, fällt sie auf die Nase. Durch ihren Gastgeber hindurch. Etwas benommen reibt sie sich das Gesicht und der blinzelnde Geselle schaut nun verdrießlich durch sie hindurch. Mit offenem Mund starrt sie zurück. Er blickt zu ihrem Altar, ein Provisorium bestehend aus drei Beinen voller Kräuter und Zauberzeichen.

Das zweite „hindurch“ würde ich zum Beispiel gerne streichen, liebend gerne.

Vergleichsweise erstaunt mich die „Vor-Social-Media-Kürze“ dieser Geschichte, denn nach all den Hausarbeiten überrascht es mich doch, ein Schriftstück mit nur zwei Seiten vor mir liegen zu sehen. Das schaffe ich jetzt nur noch selten, nein wirklich. Jedenfalls nicht ohne (reichlich) zeitlichen Abstand zwischen der Verschriftlichung und dem Lektorat.

Es überrascht mich daher nicht, dass die Geschichte zu viele Fragen offenlässt – für meinen Geschmack jedenfalls. Wem gehört das Schloss und was ist dessen Geschichte? Woher sind ihr Kröte Biskus und Spinne Carla bekannt, besucht Rampulia das Schloss doch zum ersten Mal? Wie gelingt es ihr als Junghexe, einen Zauber abzuwandeln, den sie in seiner ursprünglichen Form noch nie gewirkt hatte? Hätte ihr nicht wenigstens vorher klar sein müssen, dass sie für ihr Vorhaben generell der Kooperation eines Geistes bedarf? Und was bedeutet das wohl für Rampulias durchscheinbaren Körper, wenn besagter Geist „auch heute“ noch feiert?

Jetzt bin ich beinahe froh darüber, die Geschichte nicht an Halloween vorgetragen zu haben, wie ich es ursprünglich vorgehabt hatte. Auch wenn Rampulia ihr Abenteuer als „so schön“ empfindet, muss ich ja nicht gleich derselben Meinung sein.

Zurück zu Flausen, Ideen und Visionen

Erst gegen Ende 2018 wurde es bei mir wieder kreativer; und zwar als ich meinen Kreativblog mit Blogbeiträgen zum Thema Kreativität startete und das Gedichtschreiben wieder aufnahm. Erst danach nahm ich auch die Geschichten wieder in den Blick.

Im selben Jahr entstand im Zuge einer Weiterbildung sogar ein Kurzmärchen auf Französisch, das ich aus sowohl sprachfernen als auch orthographischen Gründen hier allerdings nicht offenlege, nicht einmal teilweise.

Lieber werfe ich einen Blick auf die deutschsprachige Kurzgeschichte, die kurz darauf entstanden ist.

Kurzgeschichte „Glücksburg“

Die Kurzgeschichte „Glücksburg“, deren Titel sich auf den Zielort der Protagonistin bezieht, ist im Dezember 2018 entstanden:

Während Tanya auf den Bus wartet und sich zunehmend verspätet, vertieft sie sich in die Beobachtung einer diebischen Taube auf Futtersuche; bis es plötzlich hinter ihr hupt und sie unversehens zu deren Zuckerzufuhr beiträgt. Im Bus verwickelt sie ein zugestiegener Fahrgast in ein Gespräch, das sie allmählich aus ihrem Kokon lockt. Tatsächlich sieht sie die Welt mit „anderen Augen“, als sie schließlich aussteigt und eine strahlende, bunte Welt vorfindet. In ihrer Freude folgt sie drei weißen Federn, lässt dabei ihre letzten Sorgen und Zweifel hinter sich, und erreicht ihren Zielort wie auf magische Weise zeitig.

Einen kurzen Eindruck verschaffen Dir ein paar Auszüge:

In das monotone Durcheinander des Straßenverkehrs mischt sich der spitze Schrei eines Kindes. Laut brüllend jagt es eine Taube über den Platz, die es gewagt hat, die heruntergefallene [Schokolade] schneller vom Boden aufzupicken als ihr Verfolger. […]

Entlang des Weges folge ich den rosaroten Lichteinflüssen, die dem Blau der Stadt frische Violetttöne versetzen. Tief atme ich die würzigen Düfte der Bäckerei ein, die ich passiere, und lausche dabei dem Spiel eines Straßenmusikers, der seinem umstehenden Publikum mit seinem Akkordeon eine spektakuläre Darbietung liefert. Abseits hofft ein Bettler auf eine Spende. Ich fröstele und grabe meine Hände tiefer in meine Manteltasche. Dabei bemerke ich das Restgeld meiner Busfahrt. Ein Zufall? Ich gebe mir einen Ruck, gehe zu dem Bettler herüber und werfe ihm die Münzen in den Becher. Eine weiße Feder, die dort Zuflucht gesucht haben muss, steigt bei der Erschütterung in die Lüfte empor und lässt sich vom Wind zu einem neuen Ziel tragen. […]

Hinter mir erklingen jene Schritte, denen ich gerade noch entkommen bin. Ich habe keine Zeit zu reagieren, als jemand meine Schulter packt und ich innerlich zusammenfahre. „Tanya, wir haben nur noch drei Minuten“, drängt Rika, die Freundin, die ich treffen sollte, um eine Wohnung zu besichtigen. „Was? Wie viel Uhr ist es?“ „Kurz vor zwei.“ Wie habe ich das denn geschafft? Da fällt mir meine Unterhaltung im Bus wieder ein. „Er hatte recht. Zeit spielt keine Rolle, sondern das, was wir mit ihr anstellen“, murmele ich. „Also, das hätte ich Dir auch vorher sagen können“, grinst Rika und bewegt sich bereits auf das Gebäude zu, in dem sich womöglich meine Zukunft befindet. […]

Ich blicke mich noch einmal um, doch die Taube ist verschwunden. Vermutlich ist sie bereits auf der Jagd nach dem nächsten Stück Schokolade.

Ich habe den Eindruck, dass diese Kurzgeschichte insgesamt besser geschrieben ist als meine vorigen – artikulierter. Sie ist in sich rund und hinterlässt diesmal keine offenen Enden; obwohl ein paar zusätzliche Zeilen nicht geschadet hätten, um zu verdeutlichen, was genau dort vor sich geht. Die angestrebte Spannung zum Schluss kommt leider nicht auf.

Würde ich die Kurzgeschichte redigieren wollen, würde ich einen Großteil des Inhalts streichen und mich stattdessen auf eine einzelne Szene konzentrieren; zumal die Herausforderung ursprünglich darin bestand, mich mit meiner Geschichte auf fünf Seiten zu beschränken. Dabei würde ich die Naivität im Geschriebenen großzügig überarbeiten, die ich auch in diesem Schriftstück zu meiner Enttäuschung wiedererkenne. Doch auch hier überzeugt mich der Inhalt zu einer solchen Überarbeitung nicht (mehr).

Schlussendlich fühle ich mich beim Lesen an eine Episode von X-Faktor erinnert. Darin entkommt der Angeklagte mysteriöserweise immer wieder der Verurteilung und sogar dem Tod, wonach er jeweils eine unbekannte Stimme vernimmt: „Noch nicht!“ Ja, als diese Kurzgeschichte entstanden ist, war meine Zeit noch nicht gekommen, so viel steht fest.

Einige Geschichtsideen später

Danach war noch einmal ein Buch geplant, doch es stellte sich heraus, dass nicht jede potenziell gute Idee das ist, worüber ich schreiben möchte. Schon während des ersten Kapitels hatte ich keine Lust mehr auf die Geschichte und die Figuren.

Der einzig reife Satz in dem Ganzen beschreibt meine Gefühle vielleicht ein Bisschen:

Ein Schluchzen steigt ihre Kehle empor, doch es findet keinen Halt im Raum, um Ton zu werden.

Belassen wir es dabei.

Nennenswerter ist eine spontane Kurzgeschichte aus dem Jahr 2020, die mit ihren ersten 20 Seiten Potenzial zur Novelle gehabt hatte und auf den vielen rot leuchtenden Fliegenpilzen während meiner Waldspaziergänge basiert.

Auftakt der Novelle „Puls der Gegenwart“

Trotz der Beförderung und der Aussicht, die hübsche Brünette aus dem Marketing wiederzusehen, widerstrebt es Darian, das graue Büro zu betreten, in dem seine eisspuckende Chefin herrscht. Zu Recht, denn diese lehnt sich bereits voller Vergnügen aus dem Fenster, ihn hinter offener Tür zusammenzustauchen. Luft macht sich Darian mit einer Zigarette im Park hinter dem Gebäude, doch sein Frust überwältigt ihn. In dem bitteren Versuch, sich seines Lebens zu entledigen, beißt er in einen leuchtendroten Fliegenpilz. Eine schmerzhafte Leere schwappt über ihn herüber und wie ein Ertrinkender klammert er sich an die Überreste seiner Person.

Im zweiten Teil weckt Darian die Ohrfeige eines kleinen geflügelten Wesens, das vor Wut schäumt. Ein Wesen, vor dem er nichts verbergen kann und das ihm gehörig die Leviten liest; gleichzeitig aber auch Licht auf seinen inneren Konflikt wirft. Es zeigt ihm eine Welt, die direkt vor seiner Nase liegt, und doch nur von den wenigsten erblickt und gelebt wird. Als die Wirkung des Fliegenpilzes nachlässt und sich vor Darian immer noch eine farbenfrohe Welt erstreckt, flammt neuer Mut in ihm auf. Jetzt einzig in der Gegenwart und deren Puls folgend, tauscht Darian seinen Job gegen das aufregende Unbekannte.

Trotz der bestehenden 20 Seiten ist in diese Novelle vor allem gedankliche Zeit hineingeflossen, denn der zweite Teil besteht bis heute lediglich aus Notizen und einzelnen Textausschnitten. Dort sollte die Geschichte „rund“ verpackt und besonders bedeutungsvoll dargeboten werden. Doch was als gleichsam spontane Idee und Verschriftlichung begonnen hatte, vereitelte der darauffolgende Druck, den ich mir selbst machte.

Was spontan entstanden war und mich jetzt realitätsnah durch die Geschehnisse und Dialoge im ersten Teil hindurchführt, ging mir locker von der Hand. All das war schließlich leicht zu visualisieren.

Nach einem unmerklichen Klicken rollte ihm ein nur allzu bekannter Geruch entgegen, den er schlicht „Büro“ schimpfte. Er stieg die Treppe hinauf, die vor ihm auftauche, und war beinahe stolz, dass er es schaffte, einen Fuß vor den anderen zu setzen. […]

 „Oh, Darian. Wie schön, dass Sie heute noch erscheinen.“ Das süßliche Gift, das ihm wie klebriger Zuckerguss frostig ins Ohr drang, stammte von niemand Geringerem als seiner Chefin. Die Chefin, die sich diesen Vorgang vermutlich gerade bildlich vorstellte und daraufhin genüsslich mit der Zunge schnalzte. […]

„Würden Sie mir bitte in mein Büro folgen? Lassen Sie die Tür offen stehen. Sie wissen ja, dass frische Luft das A und O einer kompetenten Führungskraft ist.“ Sie lachte, als bliebe ihr der Witz in der Kehle stecken, als könne sie sich greifen und halten, was auch immer sie wollte. Und was sie gerade wollte, war – ganz offensichtlich –, dass jeder mitbekam, was sie ihm zu sagen hatte. […]

„Bringen Sie Ihren Enthusiasmus ein. Zeigen Sie, wie sehr Sie zum Büro gehören wollen. Strengen Sie sich mehr an!“ Ihr Ton schien neue Höhen zu erreichen. „Sie sind doch kein Lagerist mehr, nicht wahr?“ Sie spuckte das Wort aus, als sei es etwas Verwerfliches.

Darian musste seine Wut, die sich bereits bis zu seinem Hals hochgefressen hatte, hinunterschlucken. Ein zu großer Bissen, der festzustecken drohte, sollte man ihn nicht bald mit einem Glas Wasser beglücken.

„Oh, meine Güte, geht es Ihnen gut? Sie sind ja völlig bleich!“ Mit einer Besorgnis in den Augen, die ein Serienkiller imitieren musste, wenn er feststellte, dass er seine Beute nicht länger quälen konnte, beugte sie sich vor.

Ihr ungewohntes Parfüm brannte ihm in der Nase und unwillkürlich zog Darian seine Nase kraus.

„Ich weiß es!“, rief seine Chefin aus. „Lageristen sind diese frische Luft nicht gewöhnt! Das erklärt so einiges!“ Ein zufriedenes Lachen entstieg erschrocken ihrer Kehle.

Auch Darian zuckte bei diesem Anblick kurz zusammen.

Deutlich besser beschrieben ist diesmal auch das volle Ausmaß der Empfindungen der Hauptfigur. Atmosphärisch tragen die Beschreibungen mich jetzt durch Darians Wahrnehmung, nachdem er sich an dem alles verändernden Fliegenpilzhut vergriffen hat.

Wie flüssig gewordenes Wachs lief die Farbe über den Grund, bis nichts weiter zu sehen war als ein roter Teppich, der die Bäume hinaufkletterte und selbst den Himmel blutig färbte.

Auch Darian blieb nicht unberührt. Der rote Teppich überwältigte ihn, drang begierig durch seine Haut und schwemmte seine Innereien. Die Flut peitschte immer höher und sein Hals versagte ihm für einige Augenblicke die Luftzufuhr. Ihm war schlecht und er wand sich, unfähig zu erkennen, ob das Gefühl mit einem Erbrechen oder einem Platzen versiegen würde. Doch nichts dergleichen geschah. […]

Der Strom zerrte jetzt immer fester an seinem Körper, schlug auf ihn ein, immer und immer wieder, bis er das Gefühl hatte, dass durch die Wucht Teile von ihm losbrachen und sich im Schlund einer unendlich schwarzen Flut verloren. Er schrie panisch auf und versuchte verzweifelt, sich über Wasser zu halten. Doch es gab keinen Körper mehr, der das für ihn tun konnte. Er war eins mit dem Nass und fühlte sich verlorener denn je. Das hatte er sich so nicht vorgestellt.

Nirgends fand er Halt und so ließ Darian los, was er noch nie in der Hand gehabt hatte. Sein Leben.

Die große Herausforderung stellte schließlich der zweite Teil dar. Ich zögerte, auf etwas hinzuschreiben, das ich mir bildlich noch nicht vorzustellen wusste. Ich zögerte, mich den vielen Schriftstücken zuzuwenden, die ich dafür hätte studieren müssen. Zudem schreckte ich vor dem eigentlichen Inhalt – dem Dialog zwischen Darian und dem geflügelten Wesen – zurück. Würde ich wissen, was dieses weise Wesen zu sagen hat?

Somit blieben die wichtigsten Aspekte der Geschichte unerforscht und die Geschichte selbst wurde nie beendet.

Erst im Zuge meiner Geschichtensuche erschloss es sich mir, dass dieser Geschichte etwas weitaus Wichtigeres fehlt: die Figurentiefe. Figuren, die es vermocht hätten, die Handlung zu tragen und sie visualisierbar zu machen.

So viele andere Fragen hätte ich mir zuerst stellen sollen.

Wie klingt eigentlich das kleine geflügelte Wesen, das Darian beschimpft? Mehrmals stolperte ich beim Vortragen über diesen Dialog. Wer ist dieses geflügelte Wesen? Was ist seine Realität? Was muss Darian von ihm hören? Wann wird er zuhören? Und was hat das Wesen überhaupt davon?

Noch viel wichtiger: Warum heißt die Hauptfigur immer noch Darian? Hatte ich wirklich darauf gehofft, Figurentiefe mittels eines Platzhalters zu erzeugen? Wie stelle ich mir die Figur überhaupt vor? Werden seine Hintergründe nicht zu schwammig dargeboten? Wann sind die beinahe extrem beschriebenen Gedanken gerechtfertigt, die letztendlich zu dem trotzigen Biss in den Fliegenpilz führen? Was würde ihn interessant und sympathisch machen?

Erschöpft und einsam ließ er sich in den vormittäglichen Tau sinken, mit nichts weiter als einem Zigarettenstummel in der Hand und einer endlos tiefen Traurigkeit in der Brust.

Besonders im späteren Verlauf der Geschichte beschlich mich das Gefühl, dass die Geschichte Darian trägt und ihn die Außenwelt einfach nur mit sich zieht. Strategisch gesehen lässt es sich durchaus rechtfertigen, eine Figur mitzureißen, die selbst nicht weiß, in welche Richtung sie schwimmen will. Geschieht dies jedoch ungewollt, ist das eine andere Geschichte.

Versunken in seine Abscheu, die aus eigenem Antrieb nach seiner Chefin trachtete, passierte er zwei Fliegenpilze, deren Farbtiefe seine Aufmerksamkeit auf sich zog.

Überrascht blieb er stehen und ließ es zu, dass ihn die Fliegenpilze in ihren Bann lockten. Sanft glitten sie in seine Gedanken und entfalteten ihren Zauber.

Doch ich will nicht kleinlich sein, denn ich meine, bereits einen Weitsprung zwischen der Kurzgeschichte „Glücksburg“ und dieser Novelle zu erkennen. Hier hatte ich mich endlich ausgeschrieben und ausprobiert, ohne mich an Seitenzahlen oder deren Proportionierung aufzuhalten. Lange Zeit hatte mich dieser erste Teil der Novelle außerordentlich stolz gemacht.

Auch das ist wichtig, will ich meinen.

Fanfiction: zu Besuch in Fantasy-Spielen

Während ich mich zwischenzeitlich äußerst leidenschaftlich in dem ein oder anderen Spiel verfangen hatte, verleitete mich meine Fantasie dazu, lebhaft in dessen Welt einzutauchen. Meistens während des Spielens, manchmal in Träumen und gelegentlich auf Papier.

Welche Geschichte ich an dieser Stelle wohl zu erzählen haben würde?

Was es davon aufs Papier geschafft hat, war für gewöhnlich aus plötzlicher Inspiration geboren, entsprechend kurz und in der Sprache verfasst, in der das Spiel stattgefunden hat.

Mit den nachfolgenden Eindrücken rücken wir auch endlich etwas näher an die Gegenwart meiner Handschrift heran.

Momente und Szenen

Sowohl einzelne Szenen als auch Momentaufnahmen kommen in der Regel als aufblitzende Eingebung zu mir, sodass ich sie nur noch aufschreiben muss.

Medic! The scream echoes in his head, muted by a deadly fill of blood. Five meters. Four meters. Three meters. Too late.

His limbs tremble and hot pearls of sweat run down his temple. That’s what respawn does. The filthy little option integrated into his body that automatically activates whether he approves or not.

He must pull himself together. Focus on the objective. Kill. Survive. Kill. Come on! First floor, none. Second floor, none either. He trips into a puddle, his shoe gets soaked. Just when a salve of bullets flashes over his head. Close call.

Quickly, he rolls to the side, ignoring the soaking wetness that now devours his coat and shirt. He aims. And shoots. Twice. And hits. Another puddle forms itself on the ground. […]

Ein Vorteil, den Geschichten basierend auf einer bestehenden fiktionalen Welt zu haben scheinen, ist ganz gewiss die Klarheit, mit der das Geschehen visualisiert werden kann. Insbesondere dann, wenn diese Welt auf die ein oder andere Weise erlebbar ist – bei Spielen vornehmlich visuell und auditiv.

Fanfiction hat durchaus ihren Reiz.

Wie oft und wie lange mich ein Spiel jedoch zu inspirieren vermochte, hing stark von dessen Geschichte ab. Wo sie offensichtlich fehlte, verlor sich auch schnell mein Interesse. Eindrücke aus Shootern wie dem vorherigen von 2021 gab es daher nur wenige.

Nicht zu vergessen, dass die vorhandene oder nicht-vorhandene Persönlichkeit des angenommenen Charakters dabei eine zentrale Rolle spielt, insbesondere dessen Stimme, Rolle und Hintergrundgeschichte.

Abweichungen und Anspielungen

Besonders gerne stelle ich bei vorhandenen fiktionalen Welten neue Zusammenhänge her, die von der Hauptgeschichte abweichen und die Figur einen individuellen Weg beschreiten lassen.

Desto detailreicher die Welt, umso schwieriger ist es allerdings, die Anspielungen derselben zu reduzieren, die oft nur Eingeweihten aufgehen, wie in meinem nächsten Textbeispiel aus 2023:

Just to get that straight: I have not become the Hero of Shaemoor. Someone else did. I don’t know the guy but I’d bet on that “God Walking Among Mere Mortals” who used to pose on a cloud right at the entrance to Divinity’s Reach. He’d be the first to the scene, if you ask me.

So no, I’ve never become the Hero of Shaemoor. Consequently, the celebration that awaited me at my noble’s home back in Salma District wasn’t for that. It wasn’t for me either. It really was for that insolent jerk that my parents sought out to be my fiancée.

You could say this is where my story truly started. And as you may have guessed, the event didn’t go well. Granted, there were no thugs crashing the party and kidnapping my very good friend Lord Faren (who I am not acquainted to, by the way). Yet here I am, still wishing that’s what drove me out of human’s high society, venturing into unknown lands. And hell, I wish that I had read more than Snargle Goldclaw to that day, anything more useful really.

In diesem Auszug weicht die Figur schon im ersten Satz von der Heldengeschichte des Spiels ab. Da sie nie Shaemoor’s Heldin geworden ist, würde sie auch nie Pakt-Kommandantin werden und als zentrale Figur die Balance zwischen den Drachenkräften wiederherstellen. Viel eher wäre es jener Spieler geworden, der mit besagtem Titel und als griechischer Gott auf einer Wolke kostümiert regelmäßig am Ort des Geschehens kampierte.

Die Party im Heimatdistrikt, ursprünglich zu Ehren der Heldin, verläuft ebenfalls nicht nach Skript. Anstatt weiter aufzusteigen, wird die Protagonistin ausgestoßen – mit nichts weiter ausgerüstet als dem Wissen aus Snargle Goldclaws‘ Büchern, eines Autors von Liebesromanen sinnlichen Inhalts über zwischenartliche und gleichgeschlechtliche Beziehungen.

Ja, für die Geschichte meiner Spielfigur war gesorgt, wenn auch (wie üblich) hauptsächlich in Form von Notizen und Ausschnitten.

Perspektiven- und Sprachwechsel

Damit Du nicht den Eindruck bekommst, dass Du zukünftig sowohl deutschsprachige als auch englischsprachige Schriftstücke zu erwarten hast, gleiche ich meine Fanfiction-Auswahl mit einer deutschsprachigen Alternative aus, die auf demselben Spiel basiert. Zu dieser verleitete es mich erst kürzlich in 2025, um mich „warmzuschreiben“.

Vaneija, gebürtig von Gromwald, hatte sich das Abenteuerleben nicht ausgesucht. Sie hatte sich aber das blassgelbe Kleid mit den rosaroten Schleifen ausgesucht, das sie in Shaemoor bei einer Schneiderin gefunden hatte. Zwei Stunden hatte es gedauert, ihr vor dem Spiegel ihre Schönheit zu beteuern, während sie davor Pirouetten drehte. Zwei Stunden, die völlig ausgereicht hätten, um die Kutsche zurück nach Götterfels zu nehmen und der Hölle zu entgehen, die schlagartig losbrechen würde.

Als sie mit ihrer bepackten Zofe vor die Schneiderei trat, war es bereits zu spät. In den Straßen schrien Frauen, Männer und Kinder wild durcheinander. Rauch ging von den Gebäuden auf und hinter den Fenstern knisterte rot das unbändige Feuer. Sie husteten. Mit bestickten Taschentüchern vor der Nase schauten sich die beiden Frauen entsetzt um.

Ihre Kutsche war verschwunden, samt Zugpferd und Kutscher. Die ersten Dächer stürzten auf die Straße und auf dem einzig freien Pflaster trieb eine Schar schauriger Kreaturen heran.

Auch Vaneijas Zukunft zog an meinem inneren Auge vorüber, doch zu dem Zeitpunkt hatte ich bereits andere Pläne.

Nicht-phantastischer Erzählschluss

Ein letzter und diesmal ganz und gar nicht-phantastischer Textauszug aus 2022 entstand zwischendurch für eine ganz besondere Frau, die selbst auf der Suche nach Schreibinspiration war.

Ich werde es ihm sagen. Ich werde es ihm jetzt sagen.

Edgar öffnet die Tür und tritt ein. Ohne Geräuschkulisse schafft er es nicht. Er seufzt übertrieben, stampft die Füße in den Boden, als gäbe es Schnee, und bleibt mitten im Flur stehen. Jeder soll wissen, dass er da ist. Beim Hund funktioniert das sofort. Schwanzwedelnd läuft Felix ihm entgegen und mit überschwänglichen Gesten und Worten, die jeden verschämt wegsehen lassen, begrüßt er ihn.

Ich werde es ihm jetzt sagen.

Luzie kämpft beharrlich gegen ihren Unmut an und geht auf ihren Ehemann zu. Am liebsten hätte sie die vorangegangene Szene nicht miterlebt. Doch sie muss. Sie hatte es sich selbst vorgenommen.

In ihrem Hals bilden sich jetzt Knoten und ihr Mund ist trocken. Gleichzeitig schwingt ein Ärger in ihrer Brust, der bei jedem Herzschlag schneller und bedrohlicher schwingt. Sie muss Ruhe bewahren. Sie muss es ihm auf freundliche Weise beibringen. Sie muss sich zusammenreißen und es sagen.

Sie räuspert sich.

„Ah, da ist ja meine holde Frau! Hattest Du einen schönen Tag?“ Mit breitem Grinsen kommt Edgar Luzie entgegen und macht Anstalten, sie zu umarmen. Linkisch weicht sie aus. Ihre Wut kennt keine Grenzen.

„Wo zum Teufel warst Du? Denkst Du eigentlich daran, dass ich mir Sorgen mache, wenn Du nicht nach Hause kommst?“ Eine Anschuldigung folgt der nächsten.

Sie hatte es nicht geschafft, ihr Vorhaben umzusetzen.

Edgar nimmt es gelassen, lacht kurz auf und lässt Luzie allein im Flur zurück. Die Geräuschkulisse ist verschwunden und es umarmt sie bloß die Totenstille.

Sie muss es ihm sagen. Und wenn sie sich die Finger dafür blutig schreiben muss.

Bis jetzt ist aus der Inspiration dieses Schriftstücks nichts weiter hervorgegangen, doch für mich bedeutet es trotzdem einen kleinen Erfolg zur Weiterentwicklung meiner Handschrift.

Inspiriert zu neuen Geschichten

Trotz der variierenden Geschichtenauswahl in diesem Beitrag habe ich zukünftig nicht vor, Dich mit ebenso variierenden Schriftstücken zu unterhalten. Meine Lektüre wird Dir unter meinem Namen auf deutscher Sprache im Phantastik- und Fantasy-Genre begegnen.

Auch wenn ich zurzeit ganz angetan vom Geist des Faithful-New-Adult-Genres bin, in dem subtil, aber berührend die inneren Gespräche mit Gott eingefädelt werden. Oder von herzzerreißenden Liebesgeschichten zwischen Qi kultivierenden Taoisten in Donghua-Welten, dominiert von magischen Artefakten und den Kampfkünsten mächtiger Sekten. Oder überhaupt vom Einfallsreichtum japanischer Anime, die jede Saison eine Überraschung bereithalten.

Es zieht mich zurück zu den fantastischen Welten, wie ich sie als Teenager im Fantasy-Regal meiner Lieblingsbuchhandlung vorgefunden habe – nur mit erwachsenen Figuren und ihren mehr oder weniger ernsten Erwachsenenproblemen. Zu Welten, wie ich sie mir wünsche, aber nirgendwo finde.

Denn daran, meine Erlebnisse zu verarbeiten, bin ich nicht interessiert, wie sich anhand der vielen unbeendeten Schriftstücke gezeigt hat. Ohnehin habe ich mehr davon geschrieben, als mir überhaupt in Erinnerung geblieben ist.

Ich will nicht länger „graue“ Welten beschreiben, die mich wie starr werdender Beton davon abhalten, den Rand einer schillernden Farbpalette zu erreichen. Eine „gute“ Idee reicht mir nicht (mehr). Ich will nicht wiederholen, was einmal gewesen ist. Stattdessen will ich verwirklichen, was werden will – durchdachte Welten, die flexibel bleiben für die Figuren, die sich selbst in ihnen zu behaupten suchen.

Erhasche einen Blick auf meinen aktuellen Schreibfortschritt.

Hat Dir der Beitrag gefallen?
» Nicht das Äußere müssen wir erforschen, sondern das Innere, welches sich ins Unermessliche auszudehnen versteht und zugleich Abkürzung zu allem ist. «

Über die Autorin

Naomi Krishna erforscht sowohl menschliche Naturen in ihrer Berührung mit Magie und Spiritualität als auch die Natur ihrer eigenen Handschrift – in einer Welt, die keine Grenzen kennt.

Noch tappt sie im Dunkeln.

Naomi Krishna mit einer Schreibfeder

Was sind Deine Gedanken zum Thema?

Abonnieren
Benachrichtige mich,
guest
0 Kommentare
Beliebteste Kommentare
Neueste Kommentare Älteste Kommentare
Kommentare zu bestimmten Absätzen
Alle Kommentare sehen

Den nächsten Beitrag gibt's per Post!

Lasse Dich über alle Neuigkeiten, Schreibeinblicke und Kurzgeschichten benachrichtigen.

* Mit Deiner Anmeldung stimmst Du der Speicherung und Verarbeitung Deiner Daten für die Zusendung des Newsletters zu. Dieser kann jederzeit abbestellt werden.

Newsletter abonnieren

Mit dem Newsletter abonnierst Du alle Neuigkeiten, Schreibeinblicke und Kurzgeschichten. ♥

* Mit Deiner Anmeldung stimmst Du der Speicherung und Verarbeitung Deiner Daten für die Zusendung des Newsletters zu. Dieser kann jederzeit abbestellt werden.

Dein Feedback
Hättest Du zwei Minuten, um mir drei Fragen zu beantworten? Ich verlasse mich nicht auf Tracking-Tools, sondern hätte viel lieber Deine ehrliche Meinung - auch anonym. ♥
Naomi Krishna
Fantasy-Portal
Beschwörung erfolgreich

Einen Moment lang lösten sich summend die Buchstaben unter Deinen Fingerspitzen, bereit, ein Wort zu bilden. Ihr Leuchten hinterließ flüchtige Spuren in der Luft.

Einen Moment später waren sie verschwunden – spurlos.

Könntest Du Dich geirrt haben?

Instinktiv richtet sich Deine Wirbelsäule auf. Deine Kopfhaut kribbelt vor Aufregung. Dein Blick folgt der übrigen Lichtquelle zum Portal, das gerade groß genug ist, um Dein Bewusstsein hindurchzuschicken.

Naomi Krishna
Ein neues Level
erschlossen

Eine Woge geht durch die schwebenden Lichter. Wild stieben sie auseinander und wie Feuerwerke bersten sie zu Hunderten von Funken, als erneuere sich ein ganzes Universum direkt vor Deinen Augen – in nur wenigen Sekunden.

Plötzlich ist es im Lichtkreis strahlend hell und überall flackern neue Pfade und Potenziale auf, bereit, bewandert und kultiviert zu werden.

Sind all die neuen Ideen etwa Dir zu verdanken?

Ein warmes Kribbeln breitet sich in Deinem Bauch aus und einen Moment lang erwägst Du, ob Du schon genug gesehen hast.